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09. April 2018

Die Retrospektive 100 Years

Im Rahmen der Retrospektive 100 Years, kuratiert vom Filmpublizisten Andreas Ungerböck, werden 2018 – also hundert Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und dem Untergang des Habsburger-Reiches – einige Produktionen präsentiert, die wichtige Ereignisse aus der Geschichte verschiedener CEE-Länder in den letzten hundert Jahren thematisieren und/oder die zu den Meilensteinen der jeweiligen nationalen Kinematografie gehören.

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So sind etwa drei der bedeutendsten österreichischen Stummfilme vertreten, die alle von Gerhard Gruber, einem der herausragendsten Vertreter seines Metiers weltweit, mit Live-Klaviermusik begleitet werden. Sodom und Gomorrha: Die Legende von Sünde und Strafe (1922) galt seinerzeit als das aufwändigste Kino-Spektakel weltweit. Inszeniert wurde der Film von Michael Kertész, der später in Hollywood als Michael Curtiz zu Weltruhm gelangte. In Oberst Redl (1924) erzählte Hans Otto Löwenstein den spektakulären Fall jenes k. und k. Offiziers, der militärische Geheimnisse an Russland verraten und 1913 im Zuge der Ermittlungen Selbstmord begangen hatte. Schließlich ist auch Der Balletterzherzog: Ein Wiener Spiel von Tanz und Liebe (1926) zu sehen, in dem Max Neufeld von einer Primaballerina erzählt, deren Gönner ein Auge auf eine jüngere Ballettelevin geworfen hat.

The Shop on Main Street (Obchod na korze, ČSSR 1965) von Ján Kadár und Elmar Klos wurde seinerzeit mit dem Oscar als bester fremdsprachiger Film ausgezeichnet. Er beleuchtet den Opportunismus der Mehrheit und den Mut eines Einzelnen im von den Nazis errichteten slowakischen Marionettenstaat der 1940er Jahre. Ryszard Bugajskis Interrogation(Przesłuchanie, 1982) ist ein erschütternder Film über eine Frau, die im Polen der 1950er Jahre in die Mühlen der stalinistischen Verwaltung gerät. Der Film war sieben Jahre lang verboten, nach seiner Wiederaufführung im Jahr 1989 wurde Krystyna Janda in Cannes als beste Darstellerin ausgezeichnet. The Asthenic Syndrome (Astenicheskiy sindrom, 1990), der berühmteste Film der ukrainischen Regisseurin Kira Muratova, gewann bei den Filmfestspielen in Berlin den Großen Preis der Jury. Muratova zeichnete ein kritisches Bild der Sowjetunion in der Spätphase. Auch ihr Film war kurzzeitig verboten. Ein Highlight des neueren slowenischen Kinos ist Janez Burgers Idle Running (V leru, 1999) über das verbummelte Leben eines Studenten in Ljubljana, das durch die Ankunft eines neuen Zimmergenossen und dessen schwangerer Freundin in Bewegung gerät.

Die Retrospektive wird im Kino Breitenseer Lichtspiele (BSL) im 14. Wiener Bezirk zu sehen sein. In einem Gründerzeithaus in Penzing untergebracht, sind die Breitenseer Lichtspiele eines der ältesten bespielten Kinos der Welt.

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