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11. Oktober 2014

LET'S CEE Gewinner

Bei der Award Ceremony in der Wiener Urania wurden die Sieger der drei Wettbewerbe des Festivals geehrt. Der Urania Award 2014 in der Kategorie „Bester Spielfilm“, bei der heuer neun Filme am Start waren, ging dabei an den estnischen Regisseur Ilmar Raag für seine internationale Koproduktion (Russland/Estland/Finnland/Weißrussland/Kasachstan) I WON'T COME BACK.

Im DOKUMENTARFILMWETTBEWERB wurde PIPELINE (Russland/Tschechien/Deutschland) mit dem Hauptpreis bedacht. Der ebenso fesselnde wie scharfsinnige Film des russischen Regisseurs Vitaly Mansky war als einer der Favoriten ins mit ebenfalls neun Bewerbern besetzte Rennen um den Urania Award 2014 in dieser Kategorie gegangen.

Für den unter dem Motto „The Taste of Freedom” stehenden und von den Regie-Brüdern Arash und Arman T. Riahi kuratierten KURZFILMWETTBEWERB, waren über 200 Produktionen eingelangt, 13 hatten es in den Wettbewerb geschafft. Durchsetzen und einstimmig den Hauptpreis gewinnen konnte der als deutsch-kroatische Koproduktion eingereichte Beitrag THE CHICKEN der Bosnierin Una Gunjak.

Bereits vor einer Woche war am Eröffnungsabend István Szabó mit dem Stern der Urania, dem Lifetime Achievement Award des LET’S CEE Film Festivals, ausgezeichnet worden.

Jury SPIELFILM-WETTBEWERB

Gunther Baumann
Gabriele Kranzelbinder
Kurt Ockermüller

Wir fangen mit lobenden Erwähnungen an:

WHITE GOD

Die Jury würdigt die darstellerisch sehr beeindruckende und visuell perfekte Umsetzung einer Parabel über die Unmenschlichkeit, in der Hunde als Symbole für die »Unterdrückten« alle Sympathien auf sich ziehen und den Zuschauer berühren.

MONUMENT TO MICHAEL JACKSON

überzeugt die Jury mit einer serbischen Schelmengeschichte, in der die Originalität des Plots und das augenzwinkernd sensible Spiel des Ensembles ein ernstes Thema zu einem großen Vergnügen macht.

I WON'T COME BACK

Mit dem Hauptpreis in dieser Kategorie wird ein Road Movie über die Entdeckung von Liebe geehrt. Der Film berührt durch das herausragende Spiel zweier junger Darstellerinnen und durch eine Geschichte, in der trotz extrem widriger oder gar grausamer Umstände stets Platz für Hoffnung und Optimismus bleibt. Der Urania Award 2014 geht zu den estnischen Regisseur Ilmar Raag für seine internationale Koproduktion I WON'T COME BACK.

Jury DOKUMENTARFILM-WETTBEWERB

Anna Franklin
Andreas Horvath
Jerzy Palacz

In dieser Kategorie gibt es wieder zwei besonders erwähnenswerte Filme:

HAPPILY EVER AFTER

von Tatjana Božić aus Kroatien wegen des sehr persönlichen und offenbarenden Einblicks in das Privatleben der Filmemacherin.

PELICAN IN THE DESERT

von Viesturs Kairiss aus Litauen für die poetische Bildsprache und das meditative Tempo.

PIPELINE

Der Hauptpreis in der Kategorie Dokumentarfilm geht an PIPELINE von Vitaly Mansky. Die Jury hat sich dazu entschieden, einen Film zu küren, der elegant und makellos gedreht und bearbeitet wurde, und der tiefgründige, universelle Wahrheiten beinhaltet mit einer Empathie für seine Themen und Protagonisten. Der Film erforscht diese Themen auf eine rein filmische Art und Weise, die mit bloßen Worten alleine nicht auszudrücken wären.

Jury KURZFILM-WETTBEWERB

Clemens Aap Lindenberg
Robert Menasse
Eliane Umuhire
Nastya Velskaya

Das Niveau des diesjährigen Wettbewerbs war so hoch, dass eigentlich jeder der Filme eine lobende Erwähnung verdient hätte. Eine Entscheidung musste jedoch getroffen werden. Die Jury hat sich entschieden, vier Kurzfilme lobend zu erwähnen:

PANDAS (Regie: Matúš Vizár)
THE EXECUTION (Regie: Petra Szöcs)
KOSHERLAND (Regie: Pyotr Magnus Nedov)
8 MONTHS (Regie: Hüseyin Aydın Gürsoy)

Der Hauptpreis des LET´S CEE Film-Festivals für den besten Kurzfilm geht an

THE CHICKEN (Regie: Una Gunjak)

Begründung der Jury:

Dieser Film funktioniert wie ein wundersames Kaleidoskop: wir erkennen ein Muster, und nach einer kleinen Drehung ist es plötzlich ein anderes, und dann, nach einer weiteren Drehung, rutschen die selben kleinen Elemente in eine neue Konstellation zueinander und ergeben wieder ein ganz anderes Muster. Es sind Muster menschlichen Verhaltens, und zugleich Muster unserer Erwartungen als Zuschauer. Wir sehen eine Familie ohne Mann, der Mann kann bei der Arbeit sein. Nein, er ist nicht bei der Arbeit, er ist im Krieg. Oder: Seine Arbeit ist der Krieg. Die Tochter bekommt ein lebendes Huhn geschenkt. Es soll geschlachtet und gegessen werden. Das ist klar. Nein, das Kind will das Leben des Huhns retten. Nun erwarten wir, dass dem Kind das gelingt. Wo ist der Krieg? Weit weg? Und hier siegt das Leben? Nein, der Krieg ist vor der Haustüre, auf den Straßen werden die Menschen geschlachtet, und wir erwarten, mehr noch: wir hoffen, dass das Huhn nicht geschlachtet wird. Wir fallen herein auf das Muster: die Welt ist unmenschlich, aber die Schönheit kindlicher Unschuld wird einen letzten Rest Menschlichkeit retten. Aber nein, das Huhn wird nicht gerettet und auch das Kind isst mit Appetit. Es gibt keine Unschuld: der Mensch ist das Tier, das schlachtet. Und Menschlichkeit ist relativ: ein Spiel der Illusionen, mit dem wir den Überlebenskampf bebildern.

Die Regie, die Entwicklung des Plots, die Kunst der Darsteller, Kameraführung und Schnitt sind so perfekt, dass die Jury dem Film THE CHICKEN einstimmig den Preis für den besten Kurzfilm zusprach.

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