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10. März 2018

GEFÄHRLICH GUTE FILME

Trotz einer Kürzung der schon bisher bescheidenen Subventionen werden bei der sechsten Ausgabe von LET’S CEE rund 155 Produktionen zu sehen sein. Auf dem Programm steht unter anderem – erstmals bei einem Filmfestival in Österreich – auch VR-Kino.

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LCFF 2018: Pressetext in der Kurzfassung LINK

Aktuelle Werbekampagne: Dropbox-Link

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Gefährlich gute Filme lautet das Motto der sechsten Ausgabe des auf Filme aus Zentral- und Osteuropa einschließlich der Kaukasus-Region und der Türkei spezialisierten LET’S CEE Film Festivals. Von 13. bis 22. April werden in fünf Wiener Kinos (im Actor’s Studio, im Artis International, in den Breitenseer Lichtspielen, im Urania Kino und im Village Cinema Wien Mitte) sowie im Begegnungszentrum Brunnenpassage, im Mittleren Saal der VHS Urania und an der Universität Wien rund 155 Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme in rund 200 Vorstellungen präsentiert. Am zweiten Wochenende geht es dann zudem hinaus in die Bundesländer, da werden nämlich auch das Geidorf Kunstkino in Graz, das Stadtkino Villach und das Cineplexx Salzburg City bespielt. Letztes Jahr hat das Festival genau eine Woche gedauert, heuer werden es zehn Tage sein.

„Wir haben schon immer gefährlich gute Filme gezeigt, sprich solche, die als ganz klare Signale gegen Ignoranz, Diskriminierung und Vorurteile zu verstehen sind und die oft brennende gesellschaftspolitische Themen zum Inhalt haben. Das wird nicht von allen gern gesehen, und in Zeiten wie diesen schon gar nicht. Wir halten dennoch Kurs. Gleichzeitig handelt es sich dabei praktisch ausnahmslos um Werke, die durch ihre künstlerische Qualität, ihre Originalität und ihre Kreativität beeindrucken. Das ergibt schon eine sehr interessante Mischung“, so die Gründerin von LET’S CEE und Festivaldirektorin Magdalena Żelasko.

Wolfgang P. Schwelle, der zweite Festivaldirektor, ergänzt: „Bedauerlich ist bloß, dass dieses erfolgreiche Engagement seitens der zwei für uns wichtigsten offiziellen Förderstellen nach wie vor nicht entsprechend gewürdigt wird. Der Wiener Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny und die MA7 haben uns ohne Angabe von Gründen die ohnehin niedrige Subvention heuer sogar nochmals empfindlich gekürzt. Insgesamt kriegen wir mit 30.000 Euro nicht einmal mehr die Hälfte dessen, was wir von der Stadt Wien noch letztes Jahr erhalten haben. Und auch im direkten Vergleich bekommen wir weit weniger als alle anderen geförderten Filmfestivals, und zwar egal, wie man es rechnet - pro Film, pro Gast, pro Besucher oder pro Vorführung. Die Filmabteilung im BKA speist uns ebenfalls beharrlich und mit absurden Argumenten mit einem Bruchteil dessen ab, womit sie andere vergleichbare Festivals fördert. Wir werden hier ganz offensichtlich krass diskriminiert.“ Dankenswerterweise, so Schwelle weiter, werde LET’S CEE als eines von wenigen heimischen Filmfestivals mittlerweile wenigstens von der EU unterstützt: „Dort werden die Förderentscheidungen zum Glück unabhängig von persönlichen und politischen Interessen und nur nach sachlichen Kriterien getroffen. Ohne die 46.000 Euro aus Brüssel hätten wir heuer in letzter Minute sogar absagen müssen; ich nehme an, ein paar latent xenophobe Neider hätten in dem Fall wohl da und dort die Korken knallen lassen.“

Zu sehen gibt es heuer Filme aus 25 CEE-Staaten. Als Koproduktionspartner ist noch eine ganze Reihe weiterer Länder mit dabei. In den vier offiziellen und von hochkarätigen in- und ausländischen Filmexperten (Michał Oleszczyk aus Polen, die in Bosnien geborene Niederländerin Rada Šešić und die Österreicher Arash und Arman. T. Riahi) kuratierten Wettbewerben – Spiel-, Dokumentar-, Kurz- und Debütfilme – wird eine Auswahl der besten Produktionen des letzten und des aktuellen Jahres präsentiert. Der Rest der Filme verteilt sich auf andere Programmschienen, die von thematischen Schwerpunkten bis hin zu Kinderfilmen reichen.

Besondere Beachtung wird heuer dem Filmschaffen aus Polen, Ungarn und Slowenien zuteil werden. Dabei wird unter anderem die Regie-Ikone Márta Mészáros zu Gast sein, dereinst Gewinnerin des Goldenen Bären und des Preises der Jury in Cannes und die erste Frau, die jemals in Ungarn einen Spielfilm inszenierte.

Und auch drei Retrospektiven stehen auf dem Programm: Eine davon widmet sich dem Thema Women and War, bei der anderen – schlicht 100 Years benannt und vom österreichischen Filmpublizisten Andreas Ungerböck kuratiert – werden hundert Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und dem Untergang des Habsburger Reiches Produktionen präsentiert, die wichtige Ereignisse aus der Geschichte der letzten hundert Jahre verschiedener CEE-Länder thematisieren und die zugleich zu den Meilensteinen der jeweiligen nationalen Kinematografie gehören.

Beim Projekt East Silver Caravan, das zum zweiten Mal gemeinsam mit dem angesehenen Prager Institut für Dokumentarfilm vorbereitet wurde, liegt der Fokus auf Werken, die zu wichtigen sozialpolitischen Themen Stellung nehmen. So erklärt etwa die Doku Article 18 von Bartosz Staszewski, warum es in Polen bisher nicht gelungen ist, ein Gesetz zur gleichgeschlechtlichen Ehe zu realisieren. The Limits of Work der Tschechin Apolena Rychlíková folgt der Journalistin Saša Uhlová, die sechs Monate lang undercover in einigen der schlechtbezahltesten Jobs in ihrer Heimat arbeitete. Eine nicht minder kritische Arbeit ist The Trial: The State of Russia vs Oleg Sentsov, die auch im Berlinale Special lief und die den Schauprozess gegen den ukrainischen Filmemacher, Maidan-Aktivisten und des Terrorismus beschuldigten Oleg Sentsov hinterfragt. Abgerundet wird die Programmschiene mit einer gemeinsam mit dem Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien veranstalten Podiumsdiskussion über politischen Aktivismus (am 18. April).

Neu ist hingegen der erste Teil der Serie Hollywood Goes CEE, die ausgewählte und in Zentral- und Osteuropa gedrehte US-amerikanische oder internationale Filme präsentiert. Den Anfang machen die Nu Boyana Film Studios aus Bulgarien, deren Chef Yariv Lerner drei Produktionen, unter anderem das Boxerdrama Chuck aka The Bleeder mit Liev Schreiber, Naomi Watts, Elisabeth Moss und Ron Perlman, und den Crime-Thriller Bullet Head mit Rory Culkin, Adrien Brody, Antonio Banderas, John Malkovich und einem Hund in den Hauptrollen) als Österreich-Premieren persönlich in Wien vorstellen wird.

Von den hunderten Kurzfilmen, die im Verlauf der letzten Monate zum diesjährigen Wettbewerbsthema Together or Apart eingereicht wurden, waren über 40 so hervorragend, dass sie in und außerhalb der Short-Film-Competition gezeigt werden. Und auch die zwölf Animationsfilme für Kinder, die an den zwei Festivalsamstagen im Urania Kino laufen werden, brauchen keinen Qualitätsvergleich scheuen. Der dritte Schwerpunkt des Kurzfilmprogramms heißt heuer Let’s Open Your Mind. Er steht für ein wahrlich sensationelles VR-Angebot, das mit Unterstützung bestens renommierter Partner wie etwa dem kalifornischen Stanford University’s Virtual Human Interaction Lab, Greenpeace International, der britischen Zeitung The Guardian, der Shoah Foundation, der United Nations Virtual Reality (UNVR), dem polnischen VR Produktionsstudio Mimo VR, dem französischen Distributor WIDE erstmals realisiert werden konnte und das nicht nur in einer VR-Lounge im Village Cinema Wien Mitte sondern auch beim 4GAMECHANGERS Festival in der Marx-Halle zu sehen sein wird. Dass selbst diese Programmschiene, so wie alle Kurzfilme bei LET’S CEE, bei freiem Eintritt besucht werden kann, gehört mit Sicherheit zu den Highlights der heurigen Festivalausgabe. LET’S CEE ist damit das erste Filmfestival in Österreich, das richtiges VR-Cinema präsentiert – fixe Screeningzeiten und damit ein gemeinsames Kinofeeling inklusive. „Wir zeigen hier zum Einstand sogar eine Auswahl von herausragenden Produktionen aus aller Welt und nicht nur aus Zentral- und Osteuropa“, sagt Magdalena Żelasko, „Hingehen und anschauen, es zahlt sich wirklich aus“.

Neben dem regulären Programm ist auch das LET’S CEE Schulkino als starke Säule im Bereich Filmvermittlung wieder ein fester Bestandteil des Festivals. Sowohl die slowakisch-tschechische Koproduktion Little Harbour von Iveta Grófová als auch das türkische Drama The Guest: Aleppo – Istanbul von Andaç Haznedaroğlu zeigen auf berührende Weise, wie es Kindern immer wieder eindrucksvoll gelingt, aus schwierigen Situationen noch das Beste herauszuholen. Abgerundet wird das Schulkino-Angebot von der zeitgeschichtlich sehr interessanten Omnibus-Doku Occupation 1968, in der ehemalige Soldaten des Warschauer Paktes über den Prager Frühling reflektieren.

Die letztes Jahr erfolgreich gestartete Leistungsschau des heimischen Kinoschaffens wird heuer erweitert. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf Produktionen, die beim jeweils letzten Österreichischen Filmpreis ausgezeichnet wurden. Vom Action-Horror in Stefan Ruzowitzkys Die Hölle, bis zur Arman T. Riahis Klischees sprengender Einwanderer-Komödie Die Migrantigen und Michael Glawoggers posthum von Monika Willis fertiggestelltem Dokumentarfilm sind die Austrian Days 2018 besonders vielfältig gestaltet. Ganz zu schweigen von Ruth Beckermanns beeindruckender Doku aus dem Radiofunkhaus, Die Geträumten, und von Josef Haders Regiedebüt Wilde Maus. Mit dabei sind ferner der animalische Mysteryfilm Tiere des polnischen Regisseurs Greg Zglinski und die schwarzhumorige deutsch-österreichische Tragikomödie Die Blumen von gestern von Chris Kraus. Last, not least, werden natürlich auch – mit jeweils fünf Auszeichnungen – die großen Abräumer des Österreichischen Filmpreises 2018 gezeigt: Adrian Goigingers Überraschungshit aus dem Drogenmilieu Die beste aller Welten und Barbara Alberts eindrucksvolles, historisches Portrait einer blinden Klaviervirtuosin in Licht. Die Filmschiene, die österreichische Produktionen in Originalversion mit englischen Untertiteln zeigt, richtet sich insbesondere an aus dem Ausland anreisende Gäste; aber auch alle anderen CineastInnen, die die Filme bislang verpasst haben oder die Filmschaffenden persönlich erleben wollen, – nach jeder Vorführung wird es nämlich auch bei diesen Filmen ein Q&A geben – sind natürlich willkommen.

Zu weiteren Begegnungen zwischen Österreichern und Gästen aus der CEE-Region wird es bei der zweiten Ausgabe der einwöchigen LET’S CEE Talent Academy kommen, bei der bis zu 40 jungen in- und ausländischen Filmtalenten ein Ausbildungsprogramm, Netzwerkmöglichkeiten sowie eine direkte Förderung von Fähigkeiten, Projekten und Karrieren geboten werden.

Bei den zweitägigen und international ausgerichteten LET’S CEE Industry Days, die unter dem Titel Erfolgsfaktoren in der Filmindustrie (Essential Key Factors to Success: Cooperation, Innovation and Know-How) im Österreichischen Filminstitut bzw. im Forum der Raiffeisen Bank International veranstaltet werden, werden top-aktuelle und praxisorientierte Vorträge von österreichischen und internationalen ExpertInnen über Filmfinanzierung, -produktion und -distribution sowie über Virtual Reality, CGI und andere Trends im Filmgeschäft zu hören und zu sehen sein. Darüber hinaus wird es Podiumsdiskussionen, Netzwerktreffen und Pitchings geben. Das vollständige Programm der Industry Days findet man spätestens ab dem 22. März 2018 online. Das Angebot für die Filmbranche wird übrigens durch mehrere kostenpflichtige Master Classes und frei zugängliche Lectures mit internationalen Filmgrößen ergänzt. 

Weitere Informationen zum LET’S CEE Film Festival 2018 werden in den nächsten Wochen kontinuierlich veröffentlicht. Das vollständige Programm inklusive der Filme aus den Spiel- und Dokumentarfilm-Wettbewerben, Infos zum diesjährigen Eröffnungsfilm sowie zu einigen neuen Award-Kategorien, zu den Preisstiftern wie auch die Namen der diesjährigen Preisträger des LET‘S CEE Lifetime Achievement Awards und aller anderen voraussichtlichen Filmgäste werden am 22. März 2018 im Rahmen einer Pressekonferenz (im Village Cinema Wien Mitte um 10.00 Uhr) bekannt gegeben.

LET’S CEE you there!

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Ab sofort und bis zum 30. März können LET'S CEE-BerichterstatterInnen sowie VertreterInnen der Film-, Fernseh-, Video- und der Kinobranche, professionell tätige Filmschaffende, VertreterInnen von Filmverbänden, Verwertungsgesellschaften und anderen Filminstitutionen sowie RepräsentantInnen von nationalen und internationalen Filmfestivals eine LET'S CEE Akkreditierung beantragen. Informationen: https://goo.gl/HYwKkV.

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LET’S CEE Download-Bereich (laufend aktualisiert):

http://www.letsceefilmfestival.com/downloadbereich.html

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LET’S CEE Programmhinweise (laufend aktualisiert):

East Silver Caravan

Austrian Days

LET'S CEE Familienkino

LET'S CEE Schulkino

Retrospektive Women and War

25-The Retrospective

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