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15. März 2017

East Silver Caravan

East Silver Caravan ist ein Projekt des in Prag angesiedelten Instituts für den Dokumentarfilm und verhilft hervorragenden, aber weniger beachteten Dokus aus dem CEE Raum zu mehr Präsenz auf Filmfestivals.

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MY FATHER THE BANKER von Ieva Ozoliņa

„Wer ist mein Vater? War er wirklich ein Krimineller, der das Leben von 4.000 Menschen zerstört hat?“ Quälende Fragen dieser Art stellte sich die lettische Regisseurin Ieva Ozoliņa schon lange. Um Antworten zu kriegen, begab sie sich auf Spurensuche. Mit der Doku My Father the Banker liegt das Ergebnis ihrer Recherchen vor. Sicher ist zu Beginn des Filmes nur, dass Films nur eines: Nämlich dass es der Wirtschaftsprofessor Boriss Osipovs nach dem Zerfall der Sowjetunion sehr schnell mit dubiosen Geschäften zum Millionär brachte. Anfangs noch mit dem Verkauf von Jeans aus dem Westen, später dann mit der Gründung einer Bank, die wie ein Pyramidenspiel aufgebaut war. Dass sie früher oder später implodieren musste, war bestenfalls ihm selbst klar, nicht aber seiner Familie. Am Ende setzte es einen internationalen Haftbefehl und Osipovs war wie vom Erdboden verschluckt. Mehr als 15 Jahre später beginnt seine Tochter, sein Leben zu rekonstruieren. Und stößt dabei auf den Hinweis, dass ein Patient in einer psychiatrischen Anstalt in Malaysia ihr verschollener Vater sein könnte. Doch ist er es wirklich? Und will sie ihn überhaupt noch sehen? Ozoliņas mitreißende Doku ist zugleich ein rasant erzähltes Porträt Lettlands zwischen Kommunismus und Kapitalismus, sowie eines über die Gewinner und Verlierer eines epochalen Systemwechsels.

MY OWN PRIVATE WAR von Lidija Zelović

Die Schrecken des Bosnienkriegs waren der Grund, warum die damals 22-jährige Lidija Zelović aus ihrer Heimatstadt Sarajevo in die Niederlande geflohen ist. Ihre Familie, ihren Beruf und ihre Freunde musste sie dabei zurücklassen. In dieser Doku kehrt die ehemalige BBC-Kriegsberichterstatterin in ihre frühere Heimat zurück. Und erzählt vom Leben dreier Generationen und ihren verschiedenen Arten, mit der eigenen Geschichte umzugehen. Im Vordergrund stehen die Suche nach Identität und der Wunsch nach Erklärungen, danach, Ereignisse, die man einfach nicht aus dem Kopf kriegt, endlich verarbeiten zu können. Meist tauchen dabei allerdings wieder neue Fragen auf. Was wäre geschehen, wenn ich nie fortgegangen wäre? Gibt es das überhaupt, das Gute und das Böse? Die Filmemacherin versucht zu ergründen, wie Krieg entsteht und wie er die Menschen für seine Zwecke instrumentalisiert. Mit eindrucksvollen Bildern und teils sehr emotional geführten Gesprächen zeigt Lidija Zelović, dass der Krieg nicht nur die Orte, sondern auch die Menschen verändert. Dass Krieg nicht um sie herum tobt, sondern in ihnen drinnen – und auch in der Regisseurin selbst. Die überaus persönliche, kraftvolle und berührende Doku über den Versuch, die eigene Vergangenheit endlich zu verarbeiten, ist tatsächlich ein „brillianter Essay“ (Vrij Nederland).

SICK von Hrvoje Mabić

Ein Albtraum, der Wirklichkeit wurde: Gerade mal 16-jährig wurde Ana von ihren Eltern in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Angeblich wegen ihrer Drogensucht, aber in Wahrheit, weil sie zugegeben hatte, homosexuell zu sein. Insgesamt fünf Jahre hat sie in der als Hölle empfundenen Anstalt verbringen müssen. Regisseur Hrvoje Mabić begleitete die Kroatin als mittlerweile junge Erwachsene ein Jahr lang auf ihrem schwierigen Weg durch ein ebenso schwieriges Leben. Ana erinnert sich daran, wie sehr sie unter der Verachtung des Vaters und dem Unverständnis der Mutter, unter den auferlegten Zwängen und unter ihrer Einsamkeit in der Vergangenheit gelitten hat. Sie erzählt aber auch völlig unverblümt von ihren aktuellen Gefühlswelten – etwa davon, wie es ihr mit ihrer Freundin Martina geht oder wie sie sich für das erlittene Unheil rächen möchte. Indem sie in diesem sehr berührenden Dokumentarfilm ihr Innerstes nach Außen kehrt, versucht die Protagonistin Aufklärungsarbeit zu leisten und zugleich Verständnis für ihr Schicksal zu wecken, um so vielleicht endlich ihr Trauma zu bewältigen. Dass der Film letztlich eine überraschend positive Wendung nimmt, weg von der Hoffnungslosigkeit und hin zu neuem Optimismus und neuer Lebenskraft, tut nicht nur ihr, sondern auch dem Publikum gut.

THE DANGEROUS WORLD OF DOCTOR DOLEČEK von Kristýna Bartošová

Dr. Rajko Doleček ist ein Mann mit zwei Gesichtern. Seit den 1970er-Jahren kennen ihn die meisten Tschechen aufgrund seines unermüdlichen Einsatzes für einen gesunden Lebensstil aus dem Fernsehen. Dass der mittlerweile 91-jährige Professor zugleich ein kompromissloser serbischer Nationalist und ein enger Freund des als Kriegsverbrecher angeklagten Generals Ratko Mladić ist, ist dagegen weniger bekannt. Ein Geheimnis hat Doleček um seine radikalen Ansichten aber nie gemacht. Der Völkermord von Srebenica ist für den Arzt mit serbischen Vorfahren etwa nach wie vor nichts als eine Erfindung des Westens. Kristýna Bartošová wiederum ist eine talentierte junge Filmemacherin mit bosnischen Wurzeln. Sie überredet den alten Mann dazu, mit ihr an die Orte des Massakers zu reisen. Sie will ihn näher kennen lernen und so dazu bringen, den Genozid endlich anzuerkennen. In der rund zweijährigen Produktionsphase scheinen die Grenzen zwischen Schwarz und Weiß aber immer mehr zu verschwimmen. Die junge Frau findet sich bald zwischen tiefer politischer Ablehnung und persönlicher Sympathie wieder. Ein ambitioniertes Lehrstück über Vorurteile und Manipulation und ein Musterbeispiel eines Werkes, das zeigt, wie schwer es ist, als Dokumentarfilmer immer die nötige Distanz zu wahren.

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