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15. März 2017

Retrospektive: Andrzej Wajda

Im Herbst 2016 ist Andrzej Wajda, Polens wohl bedeutendster Regisseur und unter anderem mit einer Goldenen Palme, einem Goldenen Bären, einem Goldenen Löwen, einem César, dem Europäischen Filmpreis sowie einem Oscar ausgezeichnet, im Alter von 90 Jahren verstorben. Der große „Journalist und Poet, Romantiker und Chronist“ (DER SPIEGEL) hat fast bis zuletzt gearbeitet. Seine letzte Produktion Afterimage feierte nur wenige Wochen vor seinem Tod auf dem Toronto International Film Festival Premiere. Der in Suwałki in Nordostpolen geborene Wajda studierte nach Kriegsende zuerst Malerei an der Kunstakademie in Krakau und danach an der Filmhochschule in Łódź. Seine Filme erzählten nicht nur Geschichten, sie fingen Geschichte meist auch ein und manchmal schrieben sie sogar Geschichte. Und zwar nicht nur die des polnischen Kinos und Theaters: Ohne ihn und seine Bilder hätte es die Freiheitsbewegung Solidarność, deren Senator er von 1989 bis 1991 gewesen ist, in der Form wohl nicht gegeben. Seinen Tod bezeichnete das polnische Filminstitut als riesigen Verlust für die polnische Kultur: Man werde lange um ihn trauern. Stefan Laudyn, der langjährige Direktor des Internationalen A-Filmfestivals Warschau und ein profunder Kenner von Leben und Werk Andrzej Wajdas, hat für LET’S CEE fünf Filme ausgesucht, die seiner Ansicht nach zu den besten Arbeiten des unbeugsamen Nationalkünstlers zählen. Der berühmte Antikriegsfilm Canal und das bitter-ironische Drama Ashes and Diamonds spielen dabei vor bzw. unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Wajda, der während des Krieges selbst am Widerstand gegen die deutsche Besatzung teilgenommen hat, beschäftigt sich in diesen Frühwerken mit dem tragischen Kampf der Partisanen der Polnischen Heimatarmee. Die beiden großen Klassiker Man of Marble und Man of Iron folgten über zwei Jahrzehnte später und erzählen in vielen Rückblenden die dramatische Geschichte seines Landes von der Zeit des Stalinismus und Totalitarismus bis hin zur Gründung der Gewerkschaft Solidarność. Einzig Innocent Sorcerers, dessen Handlung in den späten 1950er Jahren angesiedelt ist, kommt als sensibel nachgezeichnete und ungewöhnliche Liebesgeschichte vor dem Hintergrund der Nachkriegszeit ohne deutlich geschichtliche Bezüge aus. Ein von der internationalen Kritik hochgelobtes Meisterwerk ist dieses zentrale Werk der polnischen Neuen Welle aber ebenfalls geworden.

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